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Kunststoff-Karrieren

In der jungen, dynamischen Kunststoff-Branche gibt es noch Entwicklungspotenziale, die jeder nutzen kann, der seinen Job versteht.

Zwei, die es geschafft und auf ihre Art fast "amerikanische" Karrieren gemacht haben, sind Birgit Awender, Geschäftsführerin der Firma AWENDER Kunststofftechnik GmbH, und Josef Haidlmair, Geschäftsführer der Haidlmair Ges.m.b.H.

Wer tüchtig ist und technisches Verständnis mit Interesse, frischen Ideen und Engagement kombiniert, kann es bis ganz nach oben schaffen. Zur Abteilungsleitung, zur Werksleitung oder gar zum eigenen Unternehmen.

Birgit Awender: Eine Frau in einem Männerberuf?
Diesen Vergleich lässt Birgit Awender nicht gelten. "Ich empfinde meinen erlernten Beruf Kunststofftechnik als einen sehr schönen und vor allem kreativen Beruf. Vernetztes Denken ist hier gefragt, und das können Mädchen mindestens genau so gut wie Buben!" Heute steuert Birgit Awender das durch Vater Herbert vor 30 Jahren in Neukirchen/Enknach gegründete kunststoffverarbeitende Unternehmen. Wichtig findet sie neben einer fundierten Ausbildung auch, dass man bei der Entwicklung seines eigenen Unternehmens immer realistisch bleibt: "Wir sind kontinuierlich und sukzessive gewachsen. Die Jahre waren geprägt von konsequenter Arbeit und einem ständigen Dialog mit den Kunden. Das hat uns erfolgreich gemacht.
Und diesen Kurs werde ich auch weiter verfolgen." Birgit Awender, Jahrgang 1969, ging nach Volks- und Hauptschule auf das TGM in Wien und absolvierte die HTL für Kunststofftechnik mit Maturaabschluss. Nach ihrer Ausbildung zur Ingenieurin für Kunststofftechnik und fünfjähriger Praxis im väterlichen Betrieb übernahm sie 1997 die Geschäftsführung. "Die permanente Auseinandersetzung mit neuen Rohstoffen und Produktionsverfahren sehen wir als Chance, unseren Kunden den notwendigen technologischen Vorsprung zu verschaffen. Flexibilität und Leistungsbereitschaft jeder einzelnen Mitarbeiterin und jedes einzelnen Mitarbeiters bilden dafür die Grundlage. Deshalb setzen wir auch auf die Ausbildung junger Menschen zum Beruf Kunststofftechnik und Werkzeugbautechnik sowie die ständige Weiterbildung unserer Fachkräfte." Mehr zu Awender unter http://www.awender.at/



Josef Haidlmair: Für Erfolg muss man konsequent arbeiten

Wer Josef Haidlmair kennt, der weiß, dass er alles, was er anpackt, konsequent verfolgt. "Ich wollte sowohl persönlich als auch beim Aufbau meines Unternehmens immer besser werden und Bestehendes in Frage stellen. Entscheidende Schritte können aber nur gelingen, wenn man perfekt arbeitet. Meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind auch in dieser Hinsicht außergewöhnlich und haben die modernsten Daten-, Fertigungs- und Verfahrenstechniken zur Verfügung, um diese Kernanforderung zu erfüllen." Durch diese Philosophie wurde das Unternehmen Haidlmair (http://www.haidlmair.at/) weltbekannt: Als Hersteller von Spritzgieß-Werkzeugen für Getränkekisten. Hier gilt Haidlmair als technischer Vorreiter im Markt. Wie aber bringt man es zu einem solchen Unternehmen mit Weltruf?
Dazu braucht Josef Haidlmair nur auf sein eigenes Leben zurück blicken: "Als ich 1949 geboren wurde, gab es noch keinen Fernseher und es klingelte auch kein Handy. Meine Lehrzeit als Schmied und Landmaschinenmechaniker war abwechslungsreich und für meine Zukunft wichtig. 1979 begann ich mit einem Mitarbeiter in der elterlichen Garage mit dem Werkzeugbau. Durch den Einsatz moderner Maschinen und Einführung der Erodiertechnik zur schnellen und hochexakten automatisierten Metallbearbeitung fanden wir sehr schnell Kunden im In- und Ausland. Jedoch erkannte ich früh, dass der Mensch die Maschine steuert und errichtete deshalb eine moderne Lehrwerkstätte."

Eigene Lehrwerkstatt für fundierte Ausbildung
" Heute haben wir am Standort Nussbach 180 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, davon 80 Prozent aus der eigenen Lehrwerkstätte. Die Gesamtanzahl der Beschäftigten liegt momentan bei 500 - verteilt auf acht Standorte im In- und Ausland. Der moderne Werkzeugbau ist für mich die Königsdisziplin für junge, technisch interessierte Personen, egal ob Mann oder Frau. Die sehr guten Aussichten durch den vermehrten Einsatz moderner Kunststoffe sichern unsere Zukunft. Als erfolgreicher Unternehmer wünsche ich mir viele motivierte Lehrlinge." Aussagen, die eines deutlich machen: Motivation, Ideen und zielgerichtetes Handeln bringen auf Dauer auch erhofften Erfolg!
 
 Ausbildung in der Kunststoff-Branche?
Bei Haidlmair kennt man die Kunststoff-Branche und ist immer noch begeistert von dem Potenzial, das in ihr steckt. Dazu sagt Josef Haidlmair: "Zu einer Ausbildung in der Kunststoff-Branche kann ich nur gratulieren! Hier im Kremstal gibt es einige hervorragende Unternehmen, bei denen eine Lehre genau der richtige Einstieg ist. Ein Unternehmen wird nicht von der Führungsebene aus zu einem gewinnbringenden Betrieb, sondern es sind immer die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die den Erfolg ermöglichen, beginnend beim Lehrling im 1. Lehrjahr. Wichtige Entscheidungen kann man leichter fällen, wenn man von Anfang an Teil der Firma war. Durch die zahlreichen Aufstiegsmöglichkeiten in den Betrieben kannst auch du zum Entscheider werden. Unsere Lehrlinge bekommen viele wertvolle Erfahrungen, auch für ihre späteren Positionen, von "ihren Meistern" mit. Der vierjährige Erfahrungsschatz, den du in der Lehre sammelst, ist für das Unternehmen genau so wichtig wie die Allgemeinbildung der Schule. Als erfolgreicher Unternehmer kann ich mir nur wünschen, dass sich noch mehr Lehrlinge für unseren Betrieb entscheiden, um auch in Zukunft verlässliche und motivierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu haben.
Entscheide dich also für eine Ausbildung in der Kunststoff-Branche und werde Experte in deinem Segment. Dann wirst du auch Erfolg haben. Alles Gute auf deinem weiteren Weg!" 



Hightech-Ausbildung mit Perspektive
Ganz schön geschwitzt haben sie, während ihrer Ausbildung und dann auch bei der Prüfung. Aber jetzt sind sie alle drei fertig mit ihrer Lehrzeit und damit zu begehrten Facharbeitern geworden. Stefan Moser und Michael Nindl sind beide Werkzeugmacher/Werkzeugbautechniker, Jürgen Loibl hat schon seit längerem seine Doppellehre als Werkzeugmacher und Kunststoffverarbeiter abgeschlossen.
Stefan Moser erinnert sich noch sehr genau an seine Lehrzeit und wie damals alles mit der "Überzeugungsarbeit" von Josef Eidler, dem Inhaber von Camo, und Helmut Obermayr, dem damaligen Ausbildungsbeauftragten des Unternehmens, begann: "Im Polytechnischen Lehrgang wusste ich damals nicht einmal, was ein Werkzeugmacher überhaupt herstellt.
Hammer, Feilen und Zangen werden das wohl sein, dachte ich zu dieser Zeit noch. Das änderte sich am Tag der offenen Tür im Poly Schwanenstadt. Dort erklärten mir Herr Eidler und Herr Obermayr, was ein Werkzeugmacher wirklich tut. Ich war gleich begeistert davon und schrieb sofort am nächsten Tag ein Bewerbungsschreiben an die Firma Camo. Durch meine guten Noten im Polytechnischen Lehrgang musste ich bei Camo keine Aufnahmeprüfung mehr machen. Im ersten Lehrjahr erlernten wir viele neue handwerkliche Fähigkeiten wie Feilen, Fräsen, Drehen und Bohren. Dieses handwerkliche Geschick braucht man die ganze Lehre hindurch und natürlich auch als Geselle und Meister.
Ab dem Eintritt in die Lehre muss man jedes Lehrjahr zehn Wochen im Block in die Berufschule gehen. In der Schule lernt man neben der Praxis die Theorie über Maschinen, Werkzeuge und die diversen Materialien. Ab dem zweiten Lehrjahr wird man dann einem Facharbeiter zugeteilt. Mit ihm baut man die ersten Spritzgießwerkzeuge und lernt, wie man die Spritzgießform von Anfang bis zum Ende zusammenfügt. Im dritten und vierten Lehrjahr folgten sehr fundierte Schulungen auf diversen CNC-gesteuerten Maschinen. Und ab Mitte des dritten Lehrjahres durften wir dann schon kleinere Werkzeuge selbst bauen. Eigenverantwortung, genaues Arbeiten und Sauberkeit am Arbeitsplatz sind Dinge, auf die es in unserem Beruf ganz besonders ankommt."

Jobs machen den Lehrlingen Spaß
Michael Nindl und Jürgen Loibl können ihrem Kollegen Moser nur beipflichten, was Abwechslung und Arbeitsumfeld in ihren Berufen angeht. Deshalb sind alle drei auch nach wie vor mit großem Interesse, hoher Motivation und Freude an ihrer Arbeit bei Camo tätig. Freundschaften entwickelten sich während ihrer Lehrzeit, und alle waren vom guten Betriebsklima beeindruckt. Da kann auch schon mal das eine oder andere Missgeschick passieren. "Bekanntlich lernt man ja aus Fehlern und entwickelt sich ständig weiter", wie Michael Nindl dazu bemerkt.
Ob sie alle den Beruf noch einmal erlernen würden? Da hört man ein eindeutiges "Ja". Eine bessere Werbung für einen Job in der Kunststoff-Industrie kann es wohl kaum geben.